1982 fanden sich im „Gasthof zum Hirschen“ engagierte Parsberger Bürgerinnen und Bürger zusammen, um eine alte Tradition neu zu beleben: das Theaterspielen auf der Burg Parsberg. Die Volkshochschule Parsberg übernahm dabei unterstützend die organisatorische Verantwortung – und legte damit den Grundstein für die heutigen Burgspiele.
Mit der Unterstützung des Regisseurs Herbert Müller, der bereits die Schlossfestspiele Neumarkt künstlerisch leitete, wurde das historische Freilichtspiel „Haug von Parsberg“ überarbeitet und in moderner Sprache aufbereitet. Die Premiere am 15. Juli 1983 wurde zu einem großen Erfolg – und markierte den Beginn einer neuen Ära für das Burgtheater.
1984 übernahm auf Empfehlung von Müller Manfred Janikulla die künstlerische Leitung. Der langjährig im Kulturbetrieb tätige Janikulla prägte das Profil der Burgspiele über mehr als drei Jahrzehnte entscheidend. Mit Leidenschaft, Erfahrung und einem feinen Gespür für Stückwahl und Inszenierung baute er ein engagiertes, ehrenamtliches Ensemble auf – bis heute gibt es keinen formellen Theaterverein hinter den Burgspielen, sondern eine offene Gemeinschaft von Freiwilligen, die mit Begeisterung zusammenarbeitet.
Janikullas Repertoire war vielfältig: Neben klassischen bayerischen Komödien brachte er auch Stücke der Wiener Theatertradition sowie Werke wie „Mirandolina“ oder „Jedermann“ auf die Bühne. Damit bewies er, dass auch ein Laientheater große inhaltliche Bandbreite leisten kann. Ein Markenzeichen blieb stets die Live-Musik: Ein kleines Orchester begleitete die Aufführungen mit musikalischem Witz, Charme und historischen Couplets.
2016 endete die Ära Janikulla, und die Leitung wurde an Bernhard Hübl übergeben. Der erfahrene Regisseur war zuvor unter anderem für die Schwarzenburg-Festspiele in Rötz tätig und brachte neue kreative Akzente nach Parsberg. Besonders im Bereich des Kindertheaters wurden unter seiner Mitwirkung neue Wege beschritten – etwa 2017 mit der Inszenierung des beliebten Kinderstücks „Der Räuber Hotzenplotz“.
Für ihr über 30-jähriges ehrenamtliches Engagement wurde die Theatergemeinschaft im März 2018 mit dem „Heimatpreis Oberpfalz“ des Bayerischen Staatsministeriums ausgezeichnet – überreicht von Ministerpräsident Dr. Markus Söder.
Heute zeichnet sich das Repertoire der Burgspiele durch große stilistische Vielfalt aus. Neben bayerischen Klassikern stehen deutsche und italienische Komödien sowie moderne Stoffe wie „Sherlock Holmes“ auf dem Spielplan. Die Offenheit gegenüber verschiedenen Theatertraditionen ist geblieben – ebenso wie die Leidenschaft, Theater inmitten historischer Mauern lebendig zu machen.
Nach der Spielzeit 2025, in der Tanja Gorges und Matthias Stenkala die künstlerische Leitung interimsweise übernommen hatten, stellen die Burgspiele für die Saison 2026 die Weichen für die Zukunft.
Mit Florian Wein konnte ein erfahrener Theatermacher der Region als Regisseur gewonnen werden. Der Intendant des preisgekrönten OVIGO-Theaters bringt frische Impulse in den Burggarten, die wunderbar mit dem Kern unserer Bühne harmonieren: der puren Leidenschaft für gutes Theater. Auch wenn sich die Stoffe über die Jahrzehnte wandeln, bleibt der Anspruch derselbe: Wir verbinden unsere traditionellen Wurzeln mit einer lebendigen, modernen Spielfreude, die unser Publikum schon immer gut unterhalten hat.
Die Burgspiele Parsberg bleiben ein Ort der Begegnung, Kreativität und des gemeinsamen Gestaltens. Und jedes Jahr gilt aufs Neue der Aufruf an alle Interessierten:
„Wer mitmachen will, soll mitmachen!“
Obwohl die Burgspiele Parsberg in ihrer heutigen Form seit 1982 bestehen, markiert das Jahr 1950 ein besonderes Kapitel der Parsberger Stadtgeschichte: Die 1000-Jahr-Feier im August 1950. Auch wenn die historische Forschung heute die Ersterwähnung Parsbergs anders datiert, schuf dieses Jubiläum das Fundament für die Theaterkultur auf dem Burgberg.
Historischer Kontext
Auch wenn wir heute wissen, dass die urkundliche Ersterwähnung Parsbergs als „Castrum Bartesperch“ tatsächlich auf das Jahr 1205 datiert, feierte man 1950 mit großem Stolz ein 1000-jähriges Bestehen. Grundlage für dieses Datum war das „Rüxner’sche Turnierbuch“ von 1530, eine Quelle, die nach heutigem historischem Forschungsstand als nicht korrekt gilt.
Doch für die Theatergeschichte unserer Stadt war dieses Jubiläum dennoch ein Glücksfall. Unter der Gesamtleitung von Josef Perras und der künstlerischen Regie von Gerhard Rittner (Dramaturg am Stadttheater Regensburg) entstand ein historisches Festspiel.
„Haug von Parsberg“
Eigens für diesen Anlass verfasste Dr. Heinz Schauwecker das Heimatspiel „Haug von Parsberg“. Es behandelte die Zeit der Reformation und den Gewissenskonflikt des Ritters Haug zwischen Glaubenstreue und Loyalität. Dass genau dieses Werk 1983 auch die erste Inszenierung der modernen Burgspiele werden sollte, unterstreicht die tiefe Verbundenheit der Parsberger mit diesem Stück.
Diese frühen Aufführungen blieben im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert und bildeten über drei Jahrzehnte später den entscheidenden Anknüpfungspunkt für die Gründung der Burgspiele im Jahr 1982. Die nachfolgenden Dokumente der originalen Festschrift sowie die Aufnahmen der damaligen Inszenierung dienen heute als Beleg für die Geburtsstunde des Freilichttheaters im Burgareal. Sie dokumentieren den Beginn einer Tradition, die wir bis heute fortführen.